Die Familie als Forschungsfeld: Wie Expert*innen unsere Sicht auf Familie erweiterten
4. Mai 2026
Die Zeit vor und in den Osterferien 2026 nutzten die SchülerInnen der WiPol-Klasse 9d des Sankt Michael Gymnasiums für Recherchen und ExpertInnen-Gespräche rund um das Thema „Familie im Wandel“. Im Vorfeld hatte die Klasse gemeinsam mit der betreuenden Lehrerin Frau Mendel Leitfragen für die Interviews zusammengestellt, die aus der eigenen Erfahrungswelt und dem theoretischen Unterricht erwachsen waren. Mithilfe der ExpertInnen-Interviews wollte die Klasse über die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung von Familie ins Gespräch kommen mit Menschen, die viel Erfahrung in diesem Bereich haben. Was macht Familie heute im Vergleich zu früher aus? Was braucht sie von der Gesellschaft? Inwiefern ist sie die Keimzelle unserer Gesellschaft? Wie kann Politik sie schützen und unterstützen? Mit diesen und etlichen weiteren Fragen begaben sich die insgesamt einunddreißig SchülerInnen in Teams auf ihren Weg, verschiedenste Personen mit einem Beruf im Familien-Sektor zu befragen.
Einblicke, Gespräche, Geschichten und Austausch erfuhren sie u.a. mit Simon Stellmacher (Leitung KiTa Schlossgespenster, Hamm-Heessen), Heiko Sachtleber (Geschäftsführer Innosozial, Ahlen), Suade Abraham (Kinderpflegerin KiTa Arche Noah, Ahlen), Sandra Schnafel (Leiterin der Frühförderungsstelle Innosozial, Ahlen), Agnes Erdtmann (Rathaus, Sendenhorst) und Aynur Mollova (Sozialarbeiterin im Kinderheim, Hamm).
Unter den vielen Befragten ragte eine weitere Expertin besonders heraus: Sandra Maria Hocks, eine Mutter von sieben Kindern, welche sowohl privat in ihrer Rolle als Mutter als auch beruflich in ihrer Rolle als Lehrerin viel Verantwortung trägt. Ihr Live-Interview im Klassenraum, mit Baby Nummer sieben auf dem Arm, begeisterte die SchülerInnen und machte deutlich, welche Bedeutung die Familie als „Fundament der Gesellschaft” hat, wie sie es selbst formulierte. „Meine Augenringe abzudecken, ist meine Me-Time“, sagte die begeisterte Mutter und Lehrerin, als sie die Herausforderung verdeutlichte, Familie, Beruf und Zeit für sich selbst unter einen Hut zu bringen. „Zeit ist das Kostbarste.”, sagte sie und bezog sich dabei auf die gemeinsame Zeit als Großfamilie sowie auf die Momente mit jedem ihrer sieben Kinder allein. Die Kindheit beruhe darauf, echte Erfahrungen zu sammeln, zu matschen, sich auszutauschen und ganz wichtig: zu hinterfragen. In der Familie sei das Wertvollste die gegenseitige Aufmerksamkeit, denn ohne Rücksicht und Unterstützung sei ein Familienleben unmöglich. „Familie ist Teamarbeit!”, betonte sie. Dabei erinnerte sie daran, dass jedes Familienmitglied etwas in dieses Team hineintrage und dass dafür Liebe und Vertrauen die absoluten Grundlagen seien. Was Gesellschaft und Politik unterstützend tun könnten? Vor allem in der zeitlichen Entlastung durch Schulen und Kitas gebe es weiteres Verbesserungspotenzial: „Kindergarten/ Schule und Elternhaus müssen an einem Strang ziehen”, erklärte sie den SchülerInnen, „und da kann es doch nicht sein, dass Familien beim zweiten Kind weniger Kindergartenstunden bekommen. Auch sollten die BetreuerInnen der KiTas die Zeit wirklich mit den Kindern nutzen können und nicht mit der Dokumentation verbringen müssen.“ Denn die Zeit außerhalb des Elternhauses sei zugleich eine wichtige Phase der Selbstentwicklung, hob die Mehrfachmutter hervor.
Die SchülerInnen bedankten sich herzlich für die ehrlichen Gespräche und nutzten die anschließend präsentierten Ergebnisse für einen regen Austausch über die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung und Zukunft von Familie. Dabei reflektierten sie auch besonders ihre eigene Rolle und Selbstwirksamkeit im System Familie.
Emily Venherm und Lucy Lou Schmich, 9d



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