Verabschiedung der Schulleiterin Mechtild Frisch

    Dass man sie kaum vermisst und schon nach Tagen vergisst, wie es Hannes Wader besingt, das muss Mechtild Frisch, demnächst ehemalige Schulleiterin des Gymnasiums St. Michael nicht befürchten, auch wenn sie persönlich diesen Song zum Ende ihrer Verabschiedung ausgesucht hat. 15 Jahre war sie Chefin des bischöflichen Gymnasiums in Ahlen und verantwortete im Prinzip eine Baustelle. Die ersten sieben Jahre eine echte mit Bauzäunen, Presslufthämmern, Baulärm und allem, was dazu gehört, die letzten 8 Jahre eine schulpolitische mit dem Wechsel von G9 nach G8 und zurück sowie vielen anderen Gewerken. Dass sie trotzdem noch recht „frisch" aussieht, liegt nach Meinung der Moderatoren Christian Gerbracht und Susanne Terveer nicht am Gebrauch von Nivea, sondern - so Frisch selbst - an den Begegnungen mit Schüler*innen, Eltern und Kolleg*innen.

    Ihr Lehramtsstudium hatte Mechtild Frisch in Mainz begonnen und auch ihren Vorbereitungsdienst in Rheinland-Pfalz geleistet, bevor sie ihre erste Stelle am Abtei-Gymnasium in Duisburg antrat. Dort war sie schnell Mitglied im Lehrerrat und Koordinatorin der Erprobungsstufe. 2006 wurde sie dann Nachfolgerin von Bernhard Morsbach am Gymnasium St. Michael. Neben diesen recht nüchternen Informationen plauderte Generalvikar Dr. William Middendorf in seiner Abschiedsrede auch ein wenig aus dem Nähkästchen. Neben dem Bistum in Münster als Träger des Gymnasiums St. Michael hatte auch die Schulabteilung des Bistums Köln Interesse. Ein Glück also, dass sie nach Ahlen kam. Er stellte außerdem fest, dass Mechtild Frisch in ihrem Engagement für Schule und alle an ihr Beteiligten nie nachgelassen habe. Kirsten Fischer ergänzte als Vorsitzende der Elternpflegschaft, dass sie bei diesem Engagement für die Schule die Eltern stets mit einbezogen und so eine vertrauensvolle Partnerschaft aufgebaut habe.

    Die Vertreter*innen der Schüler*innen, Pauline Schepers und Lars Pollmeier, fanden bewundernswert, dass die nun scheidende Schulleiterin trotz aller „Absurditäten des Schulministeriums" immer ein offenes Ohr für die Anliegen der Schüler*innen gehabt habe und vor allem jeden der ca. 900 Schüler*innen mit Namen, Jahrgang, eventuellen Geschwisterkindern und sogar allen Hobbies kannte. Als Vertreter des Kollegiums stellte Joachim Schmidt fest, dass die Tür zum Büro der Schulleitung vom ersten Tag an am Morgen immer weit offen gestanden und so Gesprächsbereitschaft signalisiert habe. Besonders aber hätten die Kolleg*innen das Vertrauen geschätzt, dass sie ihre Sache schon gut machen würden.

    Bürgermeister Dr. Alexander Berger dankte Mechtild Frisch, dass das Gymnasium St. Michael sich unter ihrer Leitung nicht abgeschottet habe, sondern eine Schule war und ist, die einen wichtigen Platz in der Ahlener Schullandschaft habe und das, obwohl sie keine Kompromisse eingegangen ist, sondern immer mit voller Kraft für ihre Schule gearbeitet hat. Meinolf Thiemann, Direktor des Städtischen Gymnasiums, stellte zunächst einmal fest, dass seine Kollegin keine Mottowoche gefeiert habe, wie es heute unter Abiturient*innen üblich sei. Stets habe sie, so Thiemann, Bildung als Entwicklung des ganzen Menschen verstanden. In der nun 30-jährigen Kooperation zwischen beiden Schulen habe sie stets die Interessen des St. Michaels vertreten, dabei aber die Bedürfnisse beider Gymnasien gesehen. So habe man in der Kooperation gemeinsam mehr erreicht, als man es allein hätte tun können. Gerd Buller, ihr ehemaliger Stellvertreter und jetziger Vorsitzender des Ehemaligenvereins, verglich die Dienstzeit von Frisch in seiner mit Markus Grube, dem Vorsitzenden des Fördervereins geteilten Redezeit, mit der fast exakt gleich langen Dienstzeit des nun scheidenden Bundestrainers Jogi Löw. Neben der größeren Zahl an eingesetzten Spielern, nämlich 1699 Abiturient*innen sei ihr auch der bessere Abschied geglückt. Und dies sei nicht unwichtig, denn wie die Turner sagen, ziere ein guter Abgang die Übung.

    Ihre jetzige Stellvertreterin Dr. Susanne Terveer verwies in ihren, mit ausgewählten Bildern der letzten 15 Jahre untermalten Abschiedsworten auf die genannte große Baustelle, den Um- und Neubau der Schulgebäude, der die erste Hälfte der Dienstzeit von Mechtild Frisch prägte sowie auf die vielen anderen, nicht minder kleinen Baustellen, wie die Umstellung von G9 auf G8 und wieder zurück, die regelmäßig wiederkehrenden Qualitätsanalysen und auch die 2015 eingerichtete Weltklasse, die ein Herzensprojekt der nun scheidenden Schulleiterin gewesen sei. Dass dieses Projekt erfolgreich war, zeigte der Besuch einer ehemaligen Schülerin der Weltklasse, die sich herzlich bei Mechtild Frisch für ihren Einsatz bedankte.

    Bevor Mechtild Frisch selbst zu Wort kam, übergaben ihr ihre Schüler*innen einen Scheck von 10.500 Euro. Diese waren in einem Spendenlauf zusammen gekommen, der unter dem Motto "In 28 Tagen um die Welt" gestanden hatte. Fast 42.000 km waren Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen gelaufen, mit dem Rad oder auf Inlinern gefahren. Ziel war es, die Erde einmal am Äquator zu umrunden. Dieses Ziel wurde vorzeitig erreicht, denn der Äquator ist nur 40.075 km lang. Der Spendenbeitrag geht auf Wunsch von Frau Frisch jeweils zur Hälfte an ein Straßenkinderprojekt von Misereor im Nordosten Brasiliens und an die gemeinnützige Organisation AVICRES.

    Eines, so Frisch selbst, sei ihr am ersten Tag klar geworden: die Aufgaben kommen auf eine Schulleiterin zu, nicht umgekehrt. Aber egal, wie die Aufgaben lauteten, sie sei immer mit Freude zur Schule gekommen. Auch habe sie schnell gemerkt, dass gegenseitiges Vertrauen ein Schlüssel zu erfolgreicher Schulleitung ist. „Ich habe das noch nie gemacht, also kann ich das." Dieses Motto von Pipi Langstrumpf habe auch sie in den letzten 15 Jahren verfolgt. Alle ihre besten Moment haben immer mit Begegnung zu tun gehabt. Im Prinzip sei die ganze Schule ein einziges Highlight. Und wenn auch nur 50 % der Worte ihrer Vorredner*innen stimmen würden, dann habe sie ihre Sache auch ganz gut gemacht, stellte Frisch fest.

    Letztlich wurde den ca. 150 Gästen während der Verabschiedung ein Aspekt ganz deutlich: Dass man Mechtild Frisch kaum vermisst und nach Tagen vergisst, stimmt nicht. Bereits jetzt wird sie schmerzlich vermisst. Und auch wenn sie heute noch hier und morgen schon da ist, wünschen sich alle Schüler*innen, Eltern und Lehrer*innen, dass sie auch in Zukunft ein Teil des St. Michaels bleibt. Gelegenheiten dazu gibt es genug. Also liebe Frau Frisch: Stay a part of St. Michael.

    (Khl)

    Den vollständigen Film zur Verabschiedung finden Sie hier ... Aus urheberrechtlichen Gründen wurde der Ton bei den Musikstücken entfernt.